Vanishing White Matter Disease

Was ist die „Vanishing White Matter Disease“?

Vanishing White Matter Disease (deutsch: Verschwindende Weiße Gehirnsubstanz) ist eine autosomal-rezessiv vererbte genetische Erkrankung, was bedeutet, dass es sich um eine Krankheit handelt, die in der Familie weitervererbt werden kann. Die Krankheit hat einen sehr variablen Verlauf. In den meisten Fällen treten die ersten Symptome bei kleinen Kindern auf, deren Entwicklung zunächst ziemlich normal erschien. Ein auffälliges Merkmal der VWM Krankheit ist, dass Patienten zusätzlich zu einem allgemeinen langsamen Fortschreiten der Symptome, Episoden von schnellen neurologischen Verschlechterungen haben können. Meist ist dies eine Reaktion auf bestimmte Stressfaktoren, wie Infektionen oder einem geringfügigen Kopftrauma. Der Patient kann sich teilweise nach diesen Episoden wieder erholen, aber in schweren Fällen können diese Episoden auch zum Koma und Tod führen.

Was sind die Ursachen VWM?

VWM wird durch Mutationen in einem der fünf Gene, die Teil eines Proteins namens „eukaryotischen Initiationsfaktor 2B“ (elF2B) kodieren, verursacht. Dieses Protein ist für die Herstellung eines jeden Proteins in unserem Körper notwendig. Es ist so wichtig, dass Zellen ohne dieses Protein nicht lebensfähig sind. VWM wird typischerweise durch kleine Änderungen in diesen Genen verursacht, was einen leichten Einfluss auf die Funktionsfähigkeit der eIF2B Proteine hat. Dieser leichte Defekt wird besonderes während Episoden von Fieber, Infektionen oder Kopftrauma problematisch, und beschleunigt den Abbau bei Patienten (siehe Symptome weiter unten).

Wie wird VWM diagnostiziert?

VWM wird auf der Grundlage klinischer Symptome in Verbindung mit charakteristischen Muster eines Schädel-MRTs diagnostiziert. Anschließend kann eine DNA-Analyse der elF2B Gene den genetischen Defekt eindeutig bestätigen.

Was sind die Symptome von VWM?
Die Krankheitsmerkmale sind sehr variabel. Dies reicht von vor der Geburt einsetzenden Symptomen und dem Versterben der Kinder in den ersten Lebensmonaten bis zum einem Auftreten im späteren Erwachsenenalter mit nur leichten neurologischen Problemen. Letzteres ist aber deutlich seltener der Fall. Im Allgemeinen wird ein Kind mit VWM relativ normal bei der Geburt erscheinen, obwohl er / sie eine leicht verzögerte psychomotorische Entwicklung haben kann. Wir haben einige mögliche Symptome sowie einige Definitionen aufgeführt:
o Neurologischer Verfall
o Fieberepisoden: Bei VWM, kann dies mit Verschlechterung der Symptome, Benommenheit oder Koma einhergehen.
o Ataxie: Verlust der Muskelkoordination
o Spastik: Dies bedeutet, dass das Kind unter Krämpfen oder unwillkürlichen Kontraktionen der Muskeln leidet. Muskeln sind ungewöhnlich steif und die Bewegung ist eingeschränkt.
o Epileptische Anfälle
o Optikusatrophie (in einigen Fällen): eine Anomalie der Sehnerven.
o Ovarial Dysgenesie: mangelhafte Entwicklung der Eierstöcke, was zum Ausbleiben der Regelblutung und Fruchtbarkeitsproblemen führen kann.
o geistige Beeinträchtigung kann vorliegen, wenn diese auch in der Regel weit weniger stark ausgeprägt ist als die motorischen Beeinträchtigungen
o Lethargie: Abnorme Schläfrigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber Umweltreizen
o Koma

Die motorischen Beeinträchtigungen bei VWM schreiten oft schrittweise in Verbindung mit Fieber oder Verletzungen voran. Dazwischen kann es Phasen längerer Stabilität oder sogar vorübergehende leichte Verbesserungen geben, die einige Jahre anhalten. Viele Patienten entwickeln epileptische Anfälle, die oft einfach zu steuern sind. Die Patienten haben in der Regel eine geringere Lebenserwartung, was aber sehr von der Schwere der Erkrankung abhängt.

Was ist die Behandlung für die VWM?

Es gibt derzeit keine Heilung für VWM; Behandlung ist unterstützend. Um Episoden der Verschlechterung zu verhindern ist es vor allem bei Kindern von höchster Bedeutung, Episoden des Abbaus zu verhindern. Dies beinhaltet Prävention von Infektionen und Fieber, wenn möglich, durch die Verwendung von Impfungen, Antibiotika für kleinere Infektionen und Antipyretika für Fieber. Für Kinder hilft das Tragen eines Helms, die Auswirkungen von Kopfverletzungen zu minimieren.

Welche wissenschaftlichen Fortschritte gibt es bzgl. verbesserter Behandlung und Diagnose?

Die Aufklärung der genetischen Grundlagen von VWM war ein großer Schritt nach vorn. Zunächst einmal ermöglicht es genetische Tests für die Krankheit. Wenn Sie wissen, dass die Krankheit in Ihrer Familie vorkommt, können sie in einer genetischen Beratung über die Möglichkeit eines pränatalen Tests, sowie die Untersuchung anderer Familienmitglieder sprechen. Zweitens erlaubt es die weitere Untersuchung des zugrunde liegenden Krankheitsmechanismus, der Ausgangspunkt für die spätere Entwicklung einer Behandlung ist. Die aktuelle Forschung beinhaltet unter anderem Studien zur Bedeutung verschiedener Mutationen sowie die Entwicklung von Stammzelltherapien.

Andere klinische Namen für Vanisching White Matter Disease

o Childhood Ataxia with diffuse CNS Hypomyelination (CACH oder kindliche Ataxie mit diffuser Hypomyelinisierung des zentralen Nervensystems)
o Cree Leukoenzephalopathie
o Leukodystrophie mit Ovarialinsuffizienz
o Ovarioleukodystrophie

Quelle: Die Vorlage für diesen Text wurde vom  VUmc Amsterdam zur Verfügung gestellt; Bearbeitungsstand Jan. 2016

>>> Zur Übersicht