Beim ELA Treffen andere Familien kennenzulernen, wissen, dass man den schweren Weg nicht alleine geht, hat mir sehr geholfen, mit der Diagnose meines Sohnes umzugehen. Die Möglichkeit für einen Austausch ist sehr wichtig und man fühlt sich endlich verstanden. Danke ELA!

Michael Scholz


Metachromatische Leukodystrophie (MLD)

Dr. Christiane Kehrer (Universitätsklinikum Tübingen) und Dr. Tobias Mentzel (ELA)

Was bedeutet „Metachromatische Leukodystrophie“?

Die Metachromatische Leukodystrophie (MLD) gehört zu der Gruppe der „Leukodystrophien“, also hirnabbauender Erkrankungen.
Bei einer Leukodystrophie geht das Myelin (weiße Hirnsubstanz im Gehirn sowie Nervenscheiden peripherer Nerven) zugrunde. Die Myelinscheiden, welche die Nervenfasern umhüllen, sorgen für eine schnellere Reizleitung. Werden sie zerstört, kommt es zu Störungen der Nervenleitung mit der Folge neurologischer Symptome.

Was ist die Ursache von MLD?

Die MLD ist eine autosomal rezessiv vererbte Erkrankung. Aufgrund eines genetischen Defektes kann bei MLD- Patienten das Enzym “Arylsulfatase A“ (ARSA) nicht, oder nur fehlerhaft gebildet werden. Die noch vorhandene „Rest-Aktivität“ des Enzyms, und damit auch die genaue MLD Form, hängt von der jeweiligen Mutation ab. Darüber hinaus gibt es Gendefekte, die bewirken, dass die ARSA zwar richtig gebildet wird, aber nicht aktiviert werden kann (Aktivator-Mangel). Die ARSA ist an der Spaltung von Sulfatiden beteiligt. Können die Sulfatide nicht gespalten werden, weil die ARSA, fehlt, lagern sie sich in den Lysosomen der Zellen unterschiedlichster Organe ab (“lysosomale Speichererkrankung“), was zur Zellschädigung, insbesondere im Gehirn und peripheren Nerven, führt.

Wie wird die MLD diagnostiziert?

Der Nachweis verminderter ARSA (ARSA-Defizienz) in Blutzellen sowie die Anhäufung von Sulfatiden im Urin führen biochemisch zur Diagnose. Die Erkrankung kann auch molekulargenetisch gesichert werden. Oft sind Auffälligkeiten in der Kernspintomographie oder eine verminderte Nervenleitgeschwindigkeit hinweisend für die Erkrankung.

„Für uns ist ELA wichtig, denn zusammen sind wir einfach stärker!“

Klaus Peter

Wie verlaufen die verschiedenen MLD-Formen?

Je nach dem Lebensalter bei Beginn der Erkrankung unterscheidet man eine spätinfantile, juvenile und adulte Form der MLD.
Die Spätinfantile MLD (Erkrankungsbeginn bis zum Alter 30 Monaten (2,5 Jahren)).
Die anfängliche Entwicklung der Kinder ist in der Regel nicht beeinträchtigt. Meist um das Alter von 1 bis spätestens. 2,5 Jahren zeigen die Kinder zumeist erste motorische Auffälligkeiten wie breitbasiges Gangbild, häufiges Stolpern und Stürzen, oder Zehengang (Spastik). Beine können schmerzen und berührungsempfindlich sein. Der Phase der Stagnation der motorischen Entwicklung folgt eine Phase mit Verlust bereits erworbener Fähigkeiten. Im Verlauf kommt es zur Sprachstörung und Störung des Kau-und Schluckaktes, was bei fortgeschrittener Erkrankung eine künstliche Ernährung notwendig macht. Im weiteren Krankheitsverlauf zeigen die Kinder einen Abbau auch ihrer geistigen Fähigkeiten. Im Spätstadium gehen Motorik, Sprache und geistige Fähigkeiten ganz verloren, wie auch nach und nach das Interesse am Umfeld. Kinder erblinden zumeist, werden taub und können eine Epilepsie entwickeln. Meist versterben Kinder mit einer spätinfantiler MLD im Verlaufe ihre Kindheit
Die Juvenile MLD (Erkrankungsbeginn im Alter zwischen 2,5 und 16 Jahren).
Bei dieser Form der Erkrankung stehen zu Erkrankungsbeginn häufig Schulschwierigkeiten, Vergesslichkeit, und Konzentrationsstörungen im Vordergrund, aber auch Auffälligkeiten im Verhalten wie Interesselosigkeit, Hyperaktivität oder dissoziales Verhalten. Im Verlauf treten dann auch neurologische Symptome (Zittern, Gleichgewichtsstörung, etc.) und motorische Symptome auf, z.B. Auffälligkeiten im Gangbild und Bewegungsmuster, sowie Störungen der grob- und feinmotorischen Koordination. Der Krankheitsverlauf ist in der Regel deutlich langsamer als bei der spätinfantilen Form und verläuft auch viel variabler. Das Spätbild der Erkrankung ähnelt dem der spätinfantilen Form (s.o.). Die Patienten können mehrere Jahrzehnte alt werden.
Die Adulte MLD ab dem Alter von 16 Jahren. Bei dieser Erkrankungsform stehen häufig psychiatrische Symptome im Vordergrund (schizophrene Episoden, sexuell enthemmtes Verhalten, Wesensveränderung etc.), aber auch Konzentrationsstörung und geistiger Abbau (Demenz). Neurologische und motorische Auffälligkeiten können im Verlauf hinzukommen. Der Erkrankungsverlauf ist sehr variabel.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die MLD ist derzeit leider nicht ursächlich heilbar. Grundsätzlich kann eine Demyelinisierung im Gehirn und peripheren Nervensystem nicht „repariert“ werden.
Bei Patienten mit langsam verlaufender Erkrankung (juvenile Form) kommt eine hämatopoetische Stammzelltransplantation (HSCT) in Frage, wenn sie noch keine oder allenfalls sehr milde Symptome zeigen. Ziel der HSCT ist es, den Krankheitsverlauf abzumildern, oder bestenfalls zu stoppen, oder den Ausbruch der Erkrankung bei noch asymptomatischen Betroffenen zu verzögern oder zu verhindern. Bis ein klinischer Effekt eintritt dauert es allerdings bis zu 2 Jahren; in dieser Zeit schreitet die Erkrankung weiter voran.
Daneben gibt es Studien mit gentherapeutischen Ansätzen, bei denen durch Virus-Vektoren genetisch veränderte Stammzellen transplantiert werden, oder die Virus-Vektoren direkt in das Gehirn appliziert werden. Ein weiterer Therapie-Ansatz ist die Gabe von künstlicher ARSA in das Nervenwasser (intrathekal) . Ergebnisse für dieses Verfahren stehen noch aus.
Der Schwerpunkt der Behandlung liegt jedoch in der umfassenden Förderung der Patienten, in der Versorgung mit Hilfsmitteln und Ernährungssonden, in der Prophylaxe von Pneumonien, Druckstellen und Unterernährung. Auch spielen Medikamente gegen Schmerzen, Spastik, Epilepsie, Darmträgheit und Unruhe eine große Rolle. Wichtig ist die medizinische, psychotherapeutische und sozialpädagogische Begleitung der Familien und Betroffenen. Mit Energie, Phantasie und Liebe gelingt es vielen Familien, die Lebensqualität ihrer Kinder zu verbessern und deren Alltag erträglicher zu gestalten.

Trotz Rückschläge und sonstigen Widrigkeiten im Leben mit Leukodystrophie,, wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat verloren..

Norbert Slaver

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Wie auch bei anderen Leukodystrophien sind für PMS Therapien mittels Stammzellen denkbar. Eine erste Phase 1-Studie in den USA hierzu zeigte eine gute Verträglichkeit der Prozedur und verwendeten Zellen für die Patienten. Weiterführende Studien zu Dosis und Wirkung stehen aus und sind aufgrund von Finanzierungschwierigkeiten zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Aussicht. Andere Forschungsgruppen arbeiten mit verschiedenen Medikamenten und Grundbausteinen des Myelins wie z.B. Cholesterol in entsprechenden Mausmodellen. Bisher konnten allerdings die Ergebnisse nicht auf den Menschen übertragen werden. Da es bisher keine nachgewiesenen wirksamen Therapien für das PMS gibt, bleiben vorerst nur symptomatische Maßnahmen. Diese sollten jedoch in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden. Besprechen Sie mit dem behandelnden Arzt welche Behandlung, welche Versorgung und Hilfsmittel für ihr Kind am wichtigsten sind. Allein die systematische Behandlung von Symptomen kann zu einer deutlichen Steigerung der Lebensqualität beitragen. Nicht selten leiden Patienten vor allem an sekundären Erkrankungen, die nur indirekt verursacht werden.

Was Sie selbst tun können

Machen Sie sich zum Spezialisten für das, was Ihrem Kind guttut und seien Sie kritisch gegenüber wohlgemeinten Vorschlägen von Unwissenden. Suchen Sie sich einen Kinderarzt, zu dem sie Vertrauen haben, auch wenn er kein Fachmann für diese seltene Krankheit ist. Er sollte bereit sein, sich mit einem spezialisierten Zentrum in Verbindung zu setzen. Sinnvoll ist die regelmäßige Vorstellung und Beobachtung der Entwicklung des Kindes in einem spezialisierten Zentrum durch einen Neuropädiater.

Michael Scholz, Ansprechpartner für MLD

Egal ob sie gerade eine Diagnose bekommen haben, ihr Kind schon älter ist oder ob sie aus einem anderen Grund Fragen zum MLD haben, sie können mich jeder Zeit kontaktieren. Sie können auch ihre Kontaktdaten hinterlassen und ich melde mich sehr gerne bei ihnen.

Telefon 04258-983555
Email: <span class=“reverse“ > ed.veale@zlohcs.leahcim</span>